Am 1. September 1985 habe ich meine Ausbildung zur Damenschneiderin begonnen – kaum zu glauben, dass das nun schon 40 Jahre her ist!
Damals war ich ein junges Mädchen mit großen Träumen (ich wollte nach Paris) und unendlich viel Respekt vor dem, was mich erwartete. Ich wusste nur eins: Ich wollte nähen lernen – richtig nähen.
Denn genäht habe ich schon Jahre zuvor, mit ca. 12 Jahren habe ich mir schon eigne Kleidungsstücke genäht. Die sahen zum Teil recht krumm und schief aus, das störte mich aber wenig, ich hab alles stolz getragen.
Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir folgendes:
Die Mutter meiner Mitschülerin hat uns angeleitet eine Bluse zu nähen, aus ganz tollem Stoff und in einem Design was in den 1980ern total modern war.
Heute denke ich, das mich das sehr geprägt hat. Ihre akkurate Art und Weise hat mich dieses Hobby nochmal mit anderen Augen sehen lassen.
Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Tag in der Werkstatt. Überall edle und hochwertige Stoffe, das Surren der Nähmaschinen, zwei andere Lehrmädchen – und mittendrin ich.
In den folgenden drei Jahren Lehrzeit habe ich alles gelernt, was das Damenschneider-Handwerk ausmacht: Zuschneiden, Anpassen, Heften, Säumen, und vor allem – Geduld.
Natürlich lief nicht immer alles glatt, ich war anfangs noch zöglerich und langsam und manchmal hab ich auch heimlich ein paar Tränen verdrückt, wenn etwas nicht klappte.
Das kleine Schneideratelier war in Mittersendling, in der Nähe der Villa von Franz Josef Strauß, d.h. in den Wintermonaten, wenns morgends und abends dunkel war, hatte ich nie Angst zur S-Bahn zu gehen, es war immer Sicherheitspersonal in der Nähe.
Meine Meisterin verstand wirklich etwas von ihrem Handwerk, aber… sie war ein Drachen. Mehr als einmal wollte ich alles hinschmeißen, für meine Eltern kam das nicht in Frage. So habe ich die 3 Jahre ausgesessen, es war nicht immer schön, dafür habe ich sehr viel gelernt. Denn es gab nur uns 3 Lehrlinge und die Meisterin. Da muss man von Anfang an fast alles machen, was in dem Beruf zu tun ist. Von dem her: besser konnte ich das Handwerk nicht erlernen. Die Umstände hätten schön sein können, aber mei!
Als ich 1988 schließlich meine Gesellenprüfung bestanden hatte (leider „nur“ gut statt sehr gut, aber das lag daran, dass meine Meisterin in der Innung nicht den besten Ruf hatte) wusste ich: Das ist mein Beruf. Das bin ich.
Nach meiner Ausbildung habe ich zu erst in einem großen Brautkleidergeschäft in München gearbeitet, unzählige Brautkleider und Abendkleider umgeändert, und mein Können immer weiter verfeinert.
Nachdem ich Mutter geworden bin, habe ich mir nebenbei eine Änderungsschneiderei aufgebaut, so konnte ich zu Hause etwas arbeiten und trotzdem Hausfrau und Mutter sein. Damals habe ich auch schon einige Maßanfertigungen für meine Kundinnen genäht, auch hin und wieder ein Brautkleid.
Später als alleinerziehende habe ich übergangsweise im Seniorenheim am Hofberg in Landshut gearbeitet, dort sogar eine Ausbildung zur Demenzbetreuung gemacht und auch 4 Jahre auf dem geschützen Bereich dort gearbeitet.
Nebenbei bin ich einmal die Woche nach Pullach gefahren um dort für eine Dirndl-Designerin tätig zu sein, was mir sehr viel Spaß gemacht hat (vor allem habe ich dort auch viele Prominente aus der Film-und Fernsehbranche kennen gelernt, die sich meistens zur Wiesnzeit ein Dirndl anfertigen ließen) Unter anderem wurde die Fernsehproduktion vom „Bergdoktor“ mit den Dirndln für die Darstellerinnen, beliefert.
Aber mit den Jahren wurde mir klar, dass ich doch wieder meiner Leidenschaft als Schneiderin nachgehen muss – und so entstand mein Herzensprojekt: mein Atelier Nähwerk7 in Landshut. Geprägt durch die Dirndl aus Pullach mit Schwerpunkt auf Dirndl und moderne Tracht.
Hier verbinde ich heute Tradition und Moderne, Dirndl-Handwerk und maßgeschneiderte Damenmode, Heimatgefühl und Kreativität.
Ich liebe es, wenn Kundinnen ihr persönliches Lieblingsdirndl bei mir anprobieren – und in ihren Augen dieser besondere Glanz aufblitzt. Das ist der Moment, für den ich das alles mache.
In 40 Jahren hat sich vieles verändert: Stoffqualitäten, Trends, Maschinen, Schnitte.
Aber eines bleibt immer gleich: Dieses Gefühl, wenn ein Stück Stoff unter den Händen zum Leben erwacht und ein neues Kleidungsstück entsteht.
Das Nähen ist für mich kein Job – es ist eine kreative Art, die Welt mit individueller Kleidung zu verschönern.
Es bedeutet, Dinge mit Herzblut zu erschaffen, kreativ zu sein, sich auszudrücken – und anderen damit Freude zu schenken.
Oft werde ich gefragt, ob mir das Nähen nie langweilig wird.
Ganz ehrlich? Niemals.
Denn jeder Stoff, jedes Projekt und jede Kundin bringt etwas Neues mit sich. Und das hält meine Leidenschaft lebendig – auch nach vier Jahrzehnten.
Wenn ich heute zurückblicke, erfüllt mich vor allem eines: Dankbarkeit.
Dankbar für die vielen Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben – von der Meisterin, bei der ich lernen durfte (ja, auch wenn sie ein Drache war), über die Dirndldesignerin die mich „infiziert“ hat, bis zu den Kursteilnehmerinnen, die ich heute selbst unterrichten darf.
Ich bin stolz, dieses wunderschöne Schneiderhandwerk zu leben und mein Wissen diesbezüglich weiterzugeben.
Und ich möchte jungen Menschen Mut machen, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen – besonders in Zeiten, in denen schnelle Mode und Wegwerfmentalität dominieren.
Denn wahre Qualität entsteht nicht in der Fabrik, sondern an der Nähmaschine – Stich für Stich.
Ein handgenähtes Dirndl, eine gut sitzende Bluse oder ein maßgeschneiderter Rock erzählen immer eine Geschichte – von Geduld, Können und Leidenschaft.
Nach 40 Jahren im Schneiderhandwerk weiß ich eines ganz sicher:
Nähen ist meine Sprache, mein Beruf, meine Berufung.
Ich spreche durch Stoffe, Farben und Schnitte – und jedes Teil, das meine Werkstatt verlässt, trägt ein Stück meiner Geschichte in sich.
Ich freue mich auf viele weitere Jahre im Atelier Nähwerk7, auf neue Dirndl, neue Ideen und noch mehr Frauen, die sich vom Nähen begeistern lassen.
Wenn du Lust hast, das Nähen (wieder) für dich zu entdecken:
Denn Nähen verbindet –es ist für mich mehr als ein Handwerk – es ist ein Stück Lebensfreude.
Seit 2025 gebe ich im Stoffatelier Fingerhut regelmäßig Nähkurse:
In meinen Kursen lege ich Wert auf eine entspannte Atmosphäre, individuelle Betreuung und ganz viel Freude am kreativen Arbeiten.
Es ist einfach wunderschön zu sehen, wie stolz jede Teilnehmerin ihr fertiges Stück in den Händen hält – das ist pure Schneiderfreude!
Wenn du Lust hast, dabei zu sein, findest du alle Infos und Termine direkt im Stoffatelier Fingerhut
Nach 40 Jahren im Schneiderhandwerk weiß ich: Nähen verbindet – Generationen, Geschichten und ganz viel Herzblut
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